Für Elisabeth


Am 30. August 2021 war ich gemeinsam mit den anderen Mitgliedern des TheaterNebel am Zentralfriedhof. Gemeinsam mit Familie und Freunden haben wir Elisabeth auf ihrem letzten Weg in dieser Welt begleitet.
Ich möchte an dieser Stelle ein paar Worte sagen, vielleicht auch, um diesen Verlust für mich selbst greifbarer zu machen. Wenn ein Mensch stirbt, dann lebt er in jenen, die in geliebt haben, die eine Verbindung zu ihm hatten, noch lange weiter. So lange diese Menschen eben auf der Welt sind.


Elisabeth und ich waren nicht so eng befreundet wie beste Freundinnen. Aber wir kannten einander ca 25 Jahre lang, das ist eine lange Zeit. Und Theaterproben sind etwas ganz Besonderes. Sie führen dazu, dass man die Menschen, mit denen man auf der Bühne steht, oft sehr viel besser kennt, als das normalerweise der Fall wäre. Bei Theaterproben und in der Lampenfieberzeit vor der Premiere, da fallen Konventionen, Höflichkeitsformen, oftmals die Selbstbeherrschung. Man entblößt sich vor seinen MitspielerInnen. Und man lernt unglaublich viel, über sich und über die anderen.


Das ist auch der Grund, warum ich mit Elisabeth auch Auseinandersetzungen verbinde. Wir haben aber immer wieder zueinander gefunden, wir haben uns immer innig gemocht. Elisabeth ist immer allem auf den Grund gegangen, wollte immer „dahinter sehen“, egal was dahinter auch war. Sie hat hinterfragt und nie zugelassen, dass Dinge unter den Teppich gekehrt werden. Auch nicht in der Gruppe. Sie hat furchtlos unangenehme Dinge angesprochen und aufs Tapet gebracht, hat uns gezwungen, uns gegenseitig in die Augen zu sehen. Ich glaube, wir vermögen gar nicht abzuschätzen, wie groß ihr Beitrag war, dass diese Gruppe die vielen Hürden, die sie zu überstehen hatte, auf einer so guten und tragbaren Basis überstanden hat und immer noch existiert. Selbst wir ganz „alten“ Mitglieder erachten das nicht selten als Wunder. Erst jetzt, wo sie nie wieder ihren mahnenden Zeigefinger erheben und auf irgendwelche Wunden legen wird, wird mir bewusst, dass wir darauf achten müssen, das, was wir von Elisabeth gelernt haben, auch weiterhin im Sinne des TheaterNebel anzuwenden. So wie Herbert in praktischen und pragmatischen Dingen unsere Stütze war, so war Elisabeth das auf einer psychischen und psychohygienischen Ebene. Ich hoffe, wir werden ihr gerecht.


Für mich persönlich ist ein Mensch verloren gegangen, der an allen Weggabelungen meines Lebens anwesend war. Und zwar sehr anwesend. Sie hat sich, ohne zu werten, für all den Blödsinn interessiert, den ich verzapft habe. Große Entscheidungen sind für mich oftmals eine große Last, weil ich weiß, wie viele Menschen ich durch meine Entscheidungen beeinfluße, deren Leben verändere, ihnen Schmerz zufüge. Emotionale Entscheidungen sind für mich die größte Herausforderung im Leben. Und da war Elisabeth immer da für mich. Als Freundin und später als „Mentorin“, eine Bezeichnung, auf die wir uns mühsam geeinigt hatten. Ich wollte ihr immer so gerne etwas zurückgeben für all das, was sie mir gegeben hat. Aber das ist mir nie wirklich gelungen. Sie war mir immer mehrere Schritte voraus.
Für mich war Elisabeth ein besonderer Mensch, wir waren nicht immer einer Meinung, aber sie war mir Vorbild in ihrer Kraft, ihrer Energie, in ihrem Willen, alles, was ihr im Leben begegnet, aus vielen Blickwinkeln zu betrachten, nie in einem Fahrwasser zu erstarren, offen zu bleiben für neues, für neue Sichtweisen. In ihrem Streben nach Perfektion, zu höheren Ebenen (wo ich sie oftmals gesehen habe, ihr aber nie hin folgen konnte).


Elisabeth war für mich der Mensch mit allen Voraussetzungen, lebendig und vital alt zu werden. So wie man ihr ihr Alter in Jahren nie angemerkt hat. Weil sie immer aktiv, neugierig und auch angriffslustig war.


Und dann ist diese Krankheit gekommen, für uns so unfassbar schnell und plötzlich, dass wir, die wir nicht in ihrem direkten Umfeld waren, es wohl noch gar nicht realisiert haben. Dass sie bei keiner Probe und bei keinem Sommerfest mehr auftauchen wird. Sie wird mir fehlen, ihr verschmitztes Lächeln. Ja, ich hab sie lieb gehabt.  


Aber ich weiß noch etwas: Elisabeth hat sich auch auf einer transzendenten Ebene bewegt, für sie hatte das Sterben wohl eine andere Qualität als für viele von uns. Und deshalb glaube ich, dass es ihr gut geht, wo immer sie jetzt ist.

2021     "Romulus, der Große" von Friedrich Dürrnmatt

2019     "Die Wiedervereinigung der beiden Koreas" von Joël Pommerat

2017     "Hysterikon" von Ingrid Lausund 

2014     "Der Tod einer Kleiderpuppe" nach H.C. Artmann (Amateurschauspieler / Regie: Joseph Hartmann)

2013     "Hin und Her" von Ödön von Horvath    
2011     "Ned im Glück" frei nach dem Film Lang Lebe Ned Devine    
2010     "8 Frauen" frei nach dem Film 8 Femmes    
2009     "Graf Öderland" von Max Frisch    
2008     "Endspurt" von Peter Ustinov    
2007     "Dickie Dick Dickens" Wiederaufnahme Theaterfestival Bregenz
    "Liebes Leid & Lust" von William Shakespeare    
2006     "Dickie Dick Dickens" von Rolf und Alexandra Becker    
2005     "Einer flog über das Kuckucksnest" von Dale Wasserman
    "Der Weltuntergang" von Jura Soyfer    
2004     "Wir sind doch keine Hafenstadt!" von Helmut Qualtinger    
2003     "Nachtasyl" von Maxim Gorki    
2002     "Die 12 Geschworenen" von Reginald Rose     
2001     "Frank V." von Friedrich Dürrenmatt     
2000     "Die Alkestiade" von Thornton Wilder     
1999     "Unter dem Milchwald" von Dylan Thomas    
1998     "Astoria" von Jura Soyfer    
1997     "Die Spielverderber" von Michael Ende    
1996     "Hexenjagd" von Arthur Miller

Foto: Harald Pesata

Friedrich Dürrnmatt - Romulus, der Große- 2021

Fotos: Julia Schmid

Foto: Walter Czipke

Fotos: Julia Schmid

Joël Pommerat - Die Wiedervereinigung der beiden Koreas - 2019

Foto: W. Entner

Ingrid Lausund - Hysterikon - 2017

Foto: W. Entner

H.C.Artmann - Der Tod eines Leuchtturms - 2014

Foto: W. Entner

Hin und Her - 2013


Foto: W. Entner

Ned im Glück - 2011

Foto: W. Entner

Acht Frauen - 2010



und hier die historischen Fotos: